Die Europäische Zentralbank (EZB) hat gewarnt, dass die zunehmende Akzeptanz von Stablecoins das europäische Bankensystem erheblich beeinflussen könnte. In einem kürzlich veröffentlichten Arbeitspapier hob die EZB hervor, dass die weitverbreitete Nutzung von Stablecoins Einlagen bei Privatbanken verringern und die Geldpolitik schwächen könnte. Mit der zunehmenden Beliebtheit digitaler Zahlungen betont die EZB die Notwendigkeit einer sorgfältigen Überwachung, um die finanzielle Stabilität zu gewährleisten.
Laut EZB zeigen Daten von 2019 bis 2025, dass bei einem Anstieg des Marktanteils von Stablecoins um 10 % die Bankeinlagenquoten um 1,5 % sinken und die Kreditvergabe um 0,2 % schrumpfen könnte. Während eine kleine Verbreitung kaum Auswirkungen hat, verstärkt eine größere Akzeptanz die Risiken. Zudem weist die EZB darauf hin, dass die meisten Stablecoins – 97 % des Marktes im Wert von 312 Milliarden US-Dollar – an den US-Dollar gekoppelt sind. Dadurch könnte die Geldpolitik im Ausland indirekt die Kreditvergabe im Euroraum beeinflussen. Folglich könnte die weitverbreitete Nutzung von Stablecoins die Wirkung von EZB-Zinsanpassungen auf Kredite um bis zu 1,5 Prozentpunkte verringern.
Die EZB warnt, dass diese Risiken nichtlinear sind. Mit anderen Worten, eine geringe Verbreitung beeinflusst das Bankensystem kaum. Sobald Stablecoins jedoch eine bedeutende Größe erreichen, könnten sie als Ersatz für Bankeinlagen fungieren. Das erschwert es den Banken, die Kreditvergabe zu steuern, und die Wirksamkeit der Geldpolitik könnte verloren gehen. Zudem könnte eine hohe Akzeptanz die Anfälligkeit gegenüber ausländischen Wirtschaftsschwankungen erhöhen und die politischen Entscheidungen weiter verkomplizieren.
Der Bericht hat online und in Finanzkreisen für breite Diskussionen gesorgt. Einige Beobachter interpretieren die Ergebnisse als Ausdruck der Angst traditioneller Banken vor der Konkurrenz durch Kryptowährungen. Andere sehen darin einen Impuls, eurogestützte Stablecoins im Rahmen der EU-MiCAR-Regulierung zu entwickeln. Während Stablecoins die Geschwindigkeit und Bequemlichkeit von Zahlungen verbessern, betont die EZB, dass die Politik eine Balance zwischen Innovation und Stabilität finden muss.
Letztlich zeigt die EZB, dass Europa vor einer heiklen Gratwanderung steht. Banken müssen stabil bleiben, während die Behörden die digitale Finanzwelt fördern wollen. Wie Europa mit Stablecoins umgeht, wird die zukünftige Entwicklung des Bankensektors und der Geldpolitik maßgeblich beeinflussen. Zudem könnte eine sorgfältige Regulierung darüber entscheiden, ob Stablecoins Wachstum fördern oder unerwartete Risiken schaffen.
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