Chainstory weist darauf hin, dass die Bezahlverbreitung von Krypto-Pressemitteilungen ein Nährboden für Betrug ist, bei dem 60 % der Inhalte hochriskante Projekte betreffen und die Branche sowie das Vertrauen der Medien schnell untergraben.
Das Forschungsinstitut Chainstory aus der Krypto-Branche veröffentlichte kürzlich einen tiefgehenden Bericht, der den alarmierenden Zustand bei der Verbreitung von Krypto-Pressemitteilungen aufzeigt. Das Forscherteam sammelte und analysierte vom 16. Juni bis 1. November 2025 insgesamt 2.893 kryptorelevante Pressemitteilungen.
Die Analyse ergab, dass in den durch Bezahlkanäle verbreiteten Inhalten bis zu 62 % direkt mit Hochrisiko- oder Betrugsprojekten in Verbindung stehen. Dieses „Bezahl-um-Exposure“-Modell ermöglicht es kontroversen Projekten, die redaktionelle Prüfung durch traditionelle Medien zu umgehen, indem sie Pressemitteilungen auf bekannten Nachrichtenplattformen kaufen. Solche Dienste setzen unbestätigte Ankündigungen gleich mit echten Nachrichten und schaffen so eine Illusion von Legitimität für minderwertige Projekte.
Die Studie zeigt, dass diese Projekte gemeinsame Merkmale aufweisen, darunter anonyme Teams, unrealistische Gewinnversprechen, die Verwendung kopierter Website-Templates sowie aggressive Marketingmethoden, die Investoren einschüchtern oder locken. Einige Inhalte wurden bereits als vollkommene Betrugsfälle entlarvt, nachdem sie mit Blacklists und aktiven Betrugswarnungen abgeglichen wurden. Anders als bei strengen Verifizierungsstandards traditioneller Verbreicher (wie Businesswire oder PRNewswire) setzen die aufstrebenden Krypto-Presseservices oft auf Garantien für die Veröffentlichung, ohne grundlegende Compliance-Überwachung, was diese Nachrichtenkanäle zu Werkzeugen der Marktmanipulation macht.
Bei der Kategorisierung der 2.893 Pressemitteilungen wurde festgestellt, dass die meisten Inhalte keinen echten Nachrichtenwert besitzen. Nur 58 (etwa 2 %) der Pressemitteilungen behandeln substanzielle Ereignisse wie Risikokapitalfinanzierungen, Übernahmen oder tiefgehende Forschungsberichte.
Bildquelle: Chainstory Daten zeigen, dass nur 58 (etwa 2 %) der Pressemitteilungen sich mit Risikokapitalfinanzierungen, Übernahmen oder tiefgehenden Forschungsberichten befassen
Im Vergleich dazu sind fast 50 % der Inhalte (1.417 Stück) nur kleine Produkt-Updates oder Plattformanpassungen. Zudem entfallen etwa 24 % (694 Stück) auf Token-Listing-Ankündigungen von Börsen, die meist genutzt werden, um den Eindruck ständiger Aktivität zu erzeugen. Token-Vorverkäufe, Emissionen oder Änderungen im Token-Ökosystem machen 14 % aus. Dieses Phänomen zeigt, dass Projekte, die durch normale Nachrichten keinen Medieninteresse wecken können, auf bezahlte Kanäle ausweichen, um Marketinginformationen zu verbreiten. Dieses Modell eliminiert den „Nachrichtenfilter“ der Redaktionen und macht Medienplattformen unabsichtlich zu Propagandakanälen.
Außerdem kennzeichnen viele Krypto-Medien bezahlte Artikel zwar als „gesponserte Beiträge“ oder „Pressemitteilungen“, doch letztere wirken oft wie neutrale Branchen-Updates, da sie den Werbe-Tag entfernen, was Leser in die Irre führt und sie glauben lässt, es handele sich um von der Redaktion verifizierte echte Nachrichten. Diese Kategorisierung schafft eine falsche Hierarchie, bei der bezahlte Ankündigungen wie professionelle Berichterstattung erscheinen.
Das Forscherteam nutzte KI-basierte Textanalyse, um den Ton der Pressemitteilungen zu bewerten, und stellte fest, dass nur 10 % neutral und objektiv formuliert sind. 90 % der Inhalte sind stark marketingorientiert, davon 54 % „übertreiben“ und 19 % sind „Promotion“. Diese Pressemitteilungen verwenden häufig unbestätigte Adjektive wie „revolutionär“, „führend in der Zukunft“ oder „Spielregeln verändernd“, die eher Werbeslogans als offizielle Ankündigungen sind.
Bildquelle: Chainstory Bewertung des Tonfalls von Pressemitteilungen, nur 10 % sind neutral und objektiv, 90 % sind stark marketingorientiert
Projekte nutzen dieses Modell für „SEO-Müllangriffe“, indem sie auf zahlreichen Websites (wie Yahoo Finance oder MarketWatch) identische Inhalte wiederholen, um in den Suchmaschinenergebnissen sichtbar zu sein. Moderne Suchalgorithmen (wie Google) erkennen und filtern diese redundanten Inhalte meist, sodass die meisten dieser Links für den Durchschnittsnutzer unsichtbar bleiben und nur auf den Servern der Publisher existieren.
Für Projektinitiatoren ist das eigentliche Ziel oft, das Label „In den Medien erwähnt“ zu erhalten. Sie platzieren diese Pressemitteilungen mit Logos großer Medien auf ihren Websites, um den Eindruck zu erwecken, von Branchenriesen anerkannt zu sein, und locken so unerfahrene Kleinanleger an. Da Kleinanleger meist nur Überschriften und URLs prüfen und nicht in der Lage sind, zu erkennen, ob es sich um bezahlte Verbreitung handelt, ist diese Strategie kurzfristig sehr irreführend.
In verschiedenen Branchen sind Cloud-Mining-Projekte am risikoreichsten, wobei etwa 90 % der veröffentlichten Pressemitteilungen als Hochrisiko- oder Betrugsprojekte eingestuft werden. Diese Projekte behaupten oft, „kostenlos passives Einkommen zu generieren“ oder bezeichnen sich selbst als „die weltweit erste kostenlose Bitcoin-Mining-Plattform“.
Normale Berichterstattung würde solche Behauptungen hinterfragen, doch in bezahlten Pressemitteilungen werden diese Aussagen unkritisch verbreitet. Es gibt zahlreiche historische Fälle groß angelegter Manipulationen durch Pressemitteilungen.
Zudem zeigen Daten der US-Börsenaufsicht SEC, dass bis zu 73 % der Manipulationsfälle im Mikroaktienmarkt durch die Verbreitung falscher Informationen via Pressemitteilungen erfolgen. Im Kryptomarkt nutzen automatisierte Handelssysteme Schlüsselwörter wie „Kooperation“ oder „Listing“, um Kaufaufträge auszulösen, sodass selbst ungültige bezahlte Ankündigungen kurzfristig den Kurs manipulieren können. Dieses kostengünstige „Billig-Reden“-Modell ist das Kerninstrument für Marktmanipulationen, um Kurse zu treiben oder „Hochziehen und Verkaufen“ zu betreiben.
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Angesichts der zunehmenden Flut minderwertiger Informationen stehen Krypto-Medien vor enormen Vertrauensherausforderungen. Wenn die Grenzen zwischen bezahlten und redaktionellen Inhalten verschwimmen, zerbricht das Vertrauen der Leser in die Medienplattformen. Obwohl viele Medien durch den Verkauf von Platzierungen für Pressemitteilungen Einnahmen erzielen, ist die unkritische Verbreitung potenziell betrügerischer Projekte ein rechtlicher und ethischer Grenzgang.
Die US-amerikanische Federal Trade Commission (FTC) fordert strenge Transparenz bei „Native Advertising“, doch viele Krypto-Emittenten nutzen Formatähnlichkeiten, um ihre kommerzielle Natur zu verschleiern, was gegen Verbraucherschutzstandards verstoßen könnte. Einige Medien haben bereits Maßnahmen ergriffen, etwa prominente Haftungsausschlüsse an den Anfang der Artikel zu setzen, die klarstellen, dass es sich um bezahlte Inhalte handelt und diese nicht die Haltung des Mediums widerspiegeln. Andere Plattformen entfernen Pressemitteilungen aus der Hauptnachrichtenlinie oder führen strengere Hintergrundprüfungen bei den Verfassern durch.
Investoren sollten beim Lesen stets skeptisch bleiben, vor allem bei Ankündigungen, die mit AI, Web3 oder ähnlichen Trendbegriffen werben, aber keine echten Fortschritte zeigen. Branchenexperten warnen, dass Glaubwürdigkeit durch Substanz gewonnen werden muss, nicht durch Geld. Mit zunehmender Reife des Marktes werden Projekte, die häufig übertriebene Ankündigungen ohne tatsächliche Ergebnisse veröffentlichen, letztlich den „Streisand-Effekt“ erleben, sich selbst verdächtiger machen und von professionellen Investoren sowie Regulierungsbehörden ins Visier genommen werden.