Ist „Krypto-Influencer“ schon zum Schimpfwort geworden? Im Zeitalter der sozialen Medien wird das asymmetrische Verhältnis von Reichweite und Ertrag zum neuen Trend – „Bad Publicity ist auch Publicity“

ChainNewsAbmedia

Wenn du auf Plattformen wie Threads das Stichwort Kryptowährungen eingibst, stößt du möglicherweise auf Kommentare wie „Kryptowährungen sind alle Betrug“ und andere negative Bewertungen. Einerseits werden Kryptowährungen tatsächlich für kriminelle Zwecke genutzt, andererseits versuchen einige selbsternannte „Krypto“-Influencer durch absolut skrupellose Methoden an Reichweite zu gewinnen, was das Image der Krypto-Branche in der Öffentlichkeit Schritt für Schritt verschlechtert.

Die chinesische Influencerin Elizabeth wurde von Internetnutzern dabei ertappt, wie sie mit Photoshop Spendenbelege fälschte. Auch in Taiwan steht man dem in nichts nach: Ein Influencer mit Vorgeschichte von Verleumdungen behauptete online, Insiderinformationen über „Guoguo Fan Jiang-Yenfeng“ zu veröffentlichen – kassierte eine Welle an Aufmerksamkeit und schaffte es in die Nachrichten, sagte letztlich aber nichts Konkretes. Hinter diesem schäbigen Verhalten steckt das Prinzip, dass es im Kryptobereich asymmetrische Erträge durch Reichweite gibt: Lügen kostet 0, aber Reichweite kennt kein Limit. „Bad publicity is still publicity“ ist der schnellste Weg, um bekannt zu werden – kein Wunder, dass dieses Prinzip zur Norm geworden ist.

Bekannte Influencerin Elizabeth in Spendenbetrug verwickelt, reagiert nicht direkt auf Vorwürfe

Beim Großbrand im Hongkonger Hongfu Court spendeten viele Menschen an die Yan Chai Hospital Group und andere Organisationen. Krypto-KOL Elizabeth postete am 1. Dezember auf Twitter einen Screenshot einer Spende über 200.000 HKD mit dem Text: „Das Feuer ist erbarmungslos, die Menschen nicht.“ Dieser Post wurde inzwischen gelöscht, aber viele Nutzer haben ihn gesichert.

Kurz darauf tauchten im Netz diverse Vergleichsbilder auf. KOL Niu Yingjun verglich die Schriftarten und erklärte, Elizabeths Spendenquittung sei komplett nachträglich bearbeitet. Weitere Nutzer sammelten Verdachtsmomente in Elizabeths Posts:

Die 2 in 200000 ist auffallend schmal

200000 ist nicht mit der Spendenhotline 187 2828 ausgerichtet

Quelle: @CryptoNyaRu

Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass die gefälschte 2 sogar ein Pixel höher ist als die echte 2

Quelle: @CryptoNyaRu

Nach und nach verbreitete sich der Verdacht des Spendenbetrugs. Elizabeth schrieb in ihrem eigenen Telegram-Kanal: „Alle starren auf mich, ich will mich nicht selbst beweisen, warum sollte ich?“ Sie veröffentlichte dann ein Video (und löschte es wieder), das ihre Spende beweisen sollte – aber Niu Yingjun entdeckte, dass im Video das Pluszeichen (+) der internationalen Vorwahl ebenfalls wegretuschiert war.

Elizabeth veröffentlichte später ein weiteres Video und erklärte, der zuvor gepostete Spendenbeleg sei eine bearbeitete Version, räumte also die Photoshop-Manipulation ein. Anschließend veröffentlichte sie noch ein Video, in dem sie sagte, die Spende sei ein Akt des Gewissens und dankte der Kritik von allen Seiten. Das sei für sie ein Wendepunkt und eine Art Erlösung. Sie widersprach den Vorwürfen des Spendenbetrugs nicht, sondern schien diese zu akzeptieren.

Bad publicity is still publicity? Wer trägt Verantwortung für das Chaos der Selbstmedien?

Elizabeth war schon früher für kontroverse Aussagen bekannt, wie z. B. „Wer im USDT-Paar in einem Monat keine 30 % verdient, ist ein Versager“ oder „Ganz ehrlich, Reichweite ist gleich Geld“. Mit dem Spendenbetrug und millionenfacher Reichweite hat sie das Prinzip tatsächlich in die Tat umgesetzt.

Im Zeitalter, in dem jeder ein Selbstmedium betreiben kann, ist „bad publicity is still publicity“ zur gängigen Praxis geworden. Reichweite bedeutet Geld, weswegen immer mehr Content-Creator bei der Jagd nach Klicks ihre moralischen Grundsätze und ihren Ruf über Bord werfen und mit Skandalen oder gar Verleumdungen Aufmerksamkeit generieren. Das liegt daran, dass sie die Reichweite auf verschiedenste Weise monetarisieren können. Marken, die bereit sind, Werbung zu schalten oder Ressourcen solchen KOLs zur Verfügung zu stellen, sind ebenfalls mitverantwortlich.

Catherine von Solv Protocol wies darauf hin, dass alle wissen:

Reichweite bedeutet in dieser Branche asymmetric upside – asymmetrische Erträge.

Sie sagt: Lügen hat 0 Kosten, Reichweite kein Limit, und Bad Publicity bringt den schnellsten Erfolg. Elizabeth konnte zum Top-KOL werden, weil ihre kleinen Lügen zuvor nie aufflogen. Jetzt ist das Ganze strafrechtlich relevant – es kann nicht sein, dass sie wieder mit 0 Kosten davonkommt und weiter im Space ihr Unwesen treibt. Ich hoffe, sie wird strafrechtlich zur Verantwortung gezogen.

(Threads-Influencer verbreiten Gerüchte: FSC fordert angeblich, dass LINE Krypto-Communities löscht – Abgeordnete und Börsen widersprechen und entlarven Fake News)

Auch in Taiwans Kryptoszene gibt es ähnliche Fälle: Mit dem Ausnutzen von Trending Topics, wie etwa der angeblichen Enthüllung über „Guoguo Fan Jiang-Yenfeng“, wurde viel Aufmerksamkeit generiert, ohne tatsächlich etwas zu sagen. Damals sorgte das auf Threads für großen Ärger – viele sagten: „Solche Krypto-Accounts sind nur dazu da, Follower zu betrügen“, was das Image der Krypto-Branche in der Öffentlichkeit weiter verschlechterte.

Dieser Artikel „Krypto-Influencer ist zum Schimpfwort geworden? Im Zeitalter der Selbstmedien werden asymmetrische Erträge zur Norm: Bad publicity is still publicity“ erschien zuerst bei Chain News ABMedia.

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