Nach dem Rückzug der US-Aktienmärkte: Herausforderungen für Investoren und Strategien zu ihrer Bewältigung

Viele Investoren, die US-Aktien kaufen und verkaufen, stehen vor einem Albtraum – plötzlich stellen sie fest, dass ihre Aktien vom Handel genommen wurden. Hat die Aktie noch einen Wert? Was sollten die Besitzer jetzt tun? Mit diesen Fragen im Hinterkopf lohnt es sich, einen genauen Blick auf den Ablauf des Delistings in den USA zu werfen und die möglichen Strategien für Investoren zu verstehen.

Das Delisting ist kein plötzliches Unglück. Vom ersten Warnsignal bis zum offiziellen Entzug der Börsenzulassung kann der Prozess mehrere Monate dauern, sodass Investoren rechtzeitig Informationen erhalten und Maßnahmen ergreifen können. Wichtig ist, zu wissen, worauf man achten muss, wo die Risiken liegen und welche Lösungen es gibt.

Warum werden US-Aktien delistet? Vier Hauptursachen im Detail

Wenn Investoren das Kürzel „ST“ oder „*“ vor einer Aktie sehen, sollten sie vorsichtig sein. Das Delisting in den USA wird meist durch folgende Kernursachen ausgelöst:

Verschlechterung der Finanzlage ist die häufigste Ursache. Wenn ein Unternehmen über mehrere Jahre Verluste schreibt, das Eigenkapital ins Negative rutscht oder die Finanzberichte von Wirtschaftsprüfern negativ bewertet werden, setzt die Börse eine Prüfung in Gang. Ein typisches Beispiel ist Chesapeake Energy – dieser Erdgasproduzent meldete im Juni 2020 Insolvenz an und wurde 2021 restructured, wobei der Aktienwert stark sank.

Verstöße bei der Offenlegung sind die zweithäufigste Ursache. Falsche Angaben bei Umsätzen, Insiderhandel, Verschweigen wichtiger Informationen – sobald solche Verstöße entdeckt werden, zieht die Börse das Delisting in Betracht. Luckin Coffee wurde im April 2020 wegen Bilanzfälschung von der NASDAQ genommen, was für Investoren enorme Verluste bedeutete.

Aktive Entscheidung des Unternehmens zur Privatisierung ist eine weitere Situation. Manche Firmen entscheiden sich, den öffentlichen Markt zu verlassen und privat zu werden. Dell Technologies beispielsweise zog sich 2013 von der NASDAQ zurück, um sich privat umzustrukturieren. Obwohl freiwillig, führt dies zum Handelsstopp.

Übernahmen oder größere Umstrukturierungen können ebenfalls zum Delisting führen. Wenn ein Mehrheitsaktionär alle frei handelbaren Anteile übernimmt oder das Unternehmen eine große Umstrukturierung durchführt, kann die Börsenzulassung entfallen.

Wie verläuft der Delisting-Prozess? Das richtige Timing nutzen

Das Delisting erfolgt nicht über Nacht, sondern folgt einem strengen Ablauf. Das Verständnis dieses Prozesses ist für Investoren essenziell, da sich darin mehrere Zeitfenster für Maßnahmen befinden.

Erste Phase: Warnung und Markierung. Nach einer Warnung durch die Börse wird das Aktienkürzel mit „*“ oder „ST“ markiert. Investoren sollten jetzt aufmerksam sein, Unternehmensmitteilungen genau verfolgen und reagieren. Dies ist der Beginn der Reaktionsphase und die Vorbereitung auf mögliche Maßnahmen.

Zweite Phase: Verbesserungsfrist. Das Unternehmen erhält meist 3 bis 6 Monate, um sich zu retten, etwa durch Nachbesserung der Finanzberichte, Gewinnung neuer Investoren oder andere Maßnahmen. Wenn es gelingt, die Ziele zu erreichen, kann das Delisting abgewendet werden. Dies ist die letzte Verhandlungsphase.

Dritte Phase: Prüfung und Entscheidung. Wenn die Verbesserungsziele nicht erreicht werden, entscheidet die Börse in einer Prüfungssitzung, ob das Delisting vollzogen wird. In diesem Stadium können Investoren nur abwarten, sollten sich aber auf das schlimmste Szenario vorbereiten.

Vierte Phase: endgültige Entfernung vom Handel. Nach der Entscheidung veröffentlicht die Börse das konkrete Datum des Delistings. Nach dem letzten Handelstag verschwindet die Aktie endgültig vom Markt, und eine Rückkehr ist meist nur durch erneutes Listing möglich.

Der tatsächliche Wert der delisteten Aktie: Fünf Szenarien im Überblick

Sind delistete Aktien wertlos? Nicht unbedingt. Der endgültige Wert hängt von den Gründen für das Delisting und den weiteren Maßnahmen ab.

Szenario 1: Aktive Privatisierung. Hier könnten die Aktien der Aktionäre sogar an Wert gewinnen. Bei nur 10–20 % frei handelbaren Anteilen kaufen Großaktionäre diese oft zu einem höheren Preis zurück. Investoren sollten die Ankündigungen genau verfolgen und auf Rückkaufchancen warten.

Szenario 2: Insolvenz und Liquidation. Das schlimmste Szenario. Bei der Insolvenz stehen die Aktionäre ganz hinten in der Rangfolge der Gläubiger und erhalten erst nach Befriedigung aller Forderungen einen Anteil am Vermögen. Meist bleibt nichts übrig, der Aktienwert nähert sich null. Obwohl die Aktie dann keinen Handel mehr hat, kann sie steuerlich noch als Verlust geltend gemacht werden.

Szenario 3: Extrem niedriger Marktwert oder Kurssturz. Die Liquidität ist dann sehr gering, kaum jemand will die Aktie kaufen. Einige Glückliche finden vielleicht noch private Käufer, aber die meisten verlieren fast alles.

Szenario 4: Zwangsdelisting wegen Verstößen. Der Handel wird eingefroren, und Investoren können die Aktien nicht mehr verkaufen. Erst nach rechtlichen Verfahren besteht die Chance auf Freigabe, währenddessen verlieren sie die Kontrolle über die Gelder.

Szenario 5: Übertragung auf OTC-Markt. Wenn das Unternehmen auf den Over-the-Counter (OTC) Markt wechselt, kann die Aktie weiterhin über Broker gehandelt werden. Bei einer späteren Verbesserung der Finanzlage oder erneuter Listung besteht die Chance auf eine Rückkehr. Investoren können die Aktie halten und auf bessere Zeiten hoffen.

Was tun bei US-Aktien, die vom Handel genommen werden? Sechs Schritte zum Handeln

Wenn klar ist, dass die eigene Aktie vom Delisting bedroht ist, sollten Investoren folgende Schritte unternehmen:

Schritt 1: Proaktiv Informationen sammeln. Nicht abwarten, sondern bei der US-Börsenaufsicht SEC im EDGAR-System, auf den offiziellen Seiten der Börse oder beim Broker nach aktuellen Mitteilungen suchen. Jede Meldung kann entscheidend sein.

Schritt 2: Ursachen des Delistings analysieren. Handelt es sich um Privatisierung, finanzielle Probleme oder Verstöße? Die Ursache bestimmt die Aussichten. Bei Privatisierung steigt die Chance auf Wertsteigerung, bei Insolvenz ist kaum noch zu retten.

Schritt 3: Rückkaufangebote prüfen. Bei Bekanntmachungen zum Rückkauf die Konditionen genau lesen: Preis, Frist, Ablauf. Wichtig ist, die Frist einzuhalten, da sonst die Rückkaufrechte verloren gehen. Dann entscheiden, ob das Angebot fair ist.

Schritt 4: Über eine mögliche Umschichtung (Transfer auf OTC) nachdenken. Fragen Sie nach dem Umtauschverhältnis, den Handelsregeln im OTC-Markt und den Aussichten auf eine Rückkehr. Entscheiden Sie, ob sich das Halten noch lohnt.

Schritt 5: Außerbörsliche Transaktionen vorbereiten. Wenn kein Rückkauf oder Transfer möglich ist, können private Absprachen mit anderen Aktionären oder informelle Kanäle genutzt werden. Dabei müssen die Übertragungs- und Eigentumswechsel ordnungsgemäß erfolgen.

Schritt 6: Steuerliche Aspekte beachten. Falls die Investition endgültig verloren ist, kann der Verlust steuerlich geltend gemacht werden. Ein Steuerberater hilft, die korrekte Abwicklung sicherzustellen, um steuerliche Vorteile zu nutzen.

Unterschied zwischen Haltedepot und Delisting: Zwei Begriffe, die man kennen sollte

Viele Anfänger verwechseln Haltedepot (Trading Halt) mit Delisting. Dabei handelt es sich um grundlegend verschiedene Dinge:

Haltedepot ist meist kurzfristig und vorübergehend. Bei wichtigen Unternehmensmitteilungen, Umstrukturierungen oder ungewöhnlichen Marktschwankungen kann die Aktie vorübergehend vom Handel ausgesetzt werden. Während der Sperrzeit bleibt die Aktie im System, der Wert ändert sich kaum. Nach Ende der Sperrfrist wird der Handel wieder aufgenommen.

Delisting ist endgültig und das Ende des Handels. Die Aktie wird vollständig aus dem System entfernt, und ein Verkauf ist nicht mehr möglich. Der Wert kann stark sinken, meist auf null, außer bei freiwilligem Rückzug (Privatisierung).

Kurz gesagt: Haltedepot ist nur eine Pause, Delisting ist das endgültige Aus. Für langfristige Investoren ist eine Sperrung meist kein Grund zur Sorge, solange sie die Entwicklungen beobachten. Beim Delisting ist schnelles Handeln gefragt.

Wie man das Risiko des Delistings vermeidet: Strategien für Investoren

Statt nur reaktiv zu handeln, sollten Investoren präventiv vorgehen. Hier einige Kernstrategien:

Aufbau eines Screening-Systems. Vor dem Kauf die Firma genau prüfen: Geschäftsmodell, Branchenstellung, Finanzlage, Managementqualität und ob die Börse die Anforderungen erfüllt. Besonders auf Anzeichen wie anhaltende Verluste oder ungewöhnliche Schwankungen achten.

Diversifikation. Nicht alles auf eine Aktie oder Branche setzen. Bei einem Delisting ist das Portfolio weniger gefährdet. Die Asset-Allokation sollte risikobewusst sein, z.B. hohe Anteile an Indexfonds, Anleihen oder Bankeinlagen.

Für risikoaverse Anleger: etwa 5 % CFDs, 15 % Aktien, 40 % Fonds, 40 % Bankguthaben. Das mindert die Auswirkungen eines Delistings.

Für risiko-neutrale Investoren: z.B. 10 % CFDs, 35 % Aktien, 35 % Fonds, 20 % Bankguthaben. So bleibt die Chance auf Rendite, während das Risiko gestreut wird.

Für risikofreudige Anleger: z.B. 15 % CFDs, 50 % Aktien, 30 % Fonds, 5 % Bankguthaben. Dabei sollte die Konzentration auf einzelne Unternehmen oder Branchen vermieden werden.

Regelmäßige Überwachung. Abonnieren Sie Investor-Relations-Newsletter, prüfen Sie Quartalsberichte und Branchenentwicklungen. Bei Anzeichen von Verschlechterung, Managementwechsel oder rechtlichen Risiken rechtzeitig reagieren, statt auf Glück zu hoffen.

Stop-Loss setzen. Für schwächere Unternehmen eine klare Verlustgrenze festlegen. Bei Unterschreiten sofort verkaufen, um größere Verluste zu vermeiden. So bleibt zumindest ein Teil des Kapitals erhalten.

Abschließende Empfehlungen

Das Delisting in den USA ist für Investoren eine echte Herausforderung. Doch wer die Ursachen, Abläufe und Strategien kennt, kann Verluste minimieren oder sogar Chancen nutzen.

Wichtig ist, die Einstellung zu ändern: vom passiven Abwarten zum aktiven Handeln, vom blinden Festhalten zur rationalen Bewertung, vom Nachholen zum Vorbeugen. Wenn Ihre US-Aktie delistet wird, denken Sie an diese sechs Schritte, an die Bedeutung der Diversifikation und daran, jede Mitteilung ernst zu nehmen.

Nur so können Sie in den Wellen des US-Aktienmarktes sowohl Wachstumschancen nutzen als auch extreme Risiken wie das Delisting effektiv vermeiden.

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