Grundlagen und Praxis des Aktienhandels: Der vollständige Leitfaden zur Chartanalyse mit Fokus auf Unterstützungs- und Widerstandslinien

Was ist der häufigste Stolperstein für Anfänger beim Investieren? Es ist das Lesen und Verstehen von Charts. Begriffe wie Kerzencharts, gleitende Durchschnitte, OBV-Indikator können ungewohnt erscheinen, doch all diese Werkzeuge verfolgen letztlich ein Ziel: smarter und effizienter zu handeln. Besonders wenn man Unterstützungslinien und Widerstandslinien richtig versteht, fällt es viel leichter, den richtigen Zeitpunkt für Käufe oder Verkäufe zu erkennen. In diesem Artikel erkläre ich die Grundlagen der Chartanalyse bis hin zur praktischen Anwendung, damit auch Anfänger leicht folgen können.

Warum sollten Anfänger Unterstützungslinien und Widerstandslinien lernen?

Unter den technischen Analysewerkzeugen, die viele Investoren verwenden, sind Unterstützungslinien und Widerstandslinien die kraftvollsten und zugleich einfachsten. Ohne komplizierte Formeln oder schwierige Berechnungen kann man durch eine Linie im Chart die aktuelle Marktrichtung erkennen – das ist sehr attraktiv.

Unterstützungs- und Widerstandslinien scheinen simpel, doch sie haben enorme Kraft, weil Millionen Trader weltweit auf dieselben Linien schauen und ihre Entscheidungen darauf basieren. Das ist die sogenannte Selbstbestätigende Prophezeiung (Self-fulfilling Prophecy). In diesem Abschnitt schauen wir, wie man diese beiden Konzepte in der Praxis nutzt.

Kerzencharts: Die Sprache des Handels lernen

Beim Öffnen einer Trading-Plattform fällt sofort das Kerzenchart auf. Man nennt es auch Candlestick-Chart, und wahrscheinlich hast du es schon in Nachrichten oder Artikeln gesehen. Obwohl es auf den ersten Blick komplex wirkt, ist es eines der schnellsten und effizientesten Werkzeuge, um Kursbewegungen zu erfassen.

Bullische und bärische Kerzen: Den Marktstimmung lesen

Das Wichtigste bei Kerzencharts ist die Farbe. Auf internationalen Plattformen sind grüne Kerzen (bullisch) bei Kursanstiegen und rote Kerzen (bärisch) bei Kursrückgängen üblich. Jede Kerze liefert konkrete Informationen.

Der Kerzenkörper zeigt den Eröffnungs- und Schlusskurs innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Bei einer bullischen Kerze ist der Körper unten der Eröffnungskurs, oben der Schlusskurs. Bei einer bärischen Kerze ist es umgekehrt. Je länger der Körper, desto stärker war die Kursbewegung in diesem Zeitraum – man nennt das auch lange Kerzen, z.B. Long-Legged Candle, was auf eine große Volatilität hinweist.

Die dünnen Linien oben und unten heißen Schatten oder Dochte und zeigen die höchsten und niedrigsten Kurse im Zeitraum. Ein langer Schatten ist ein wichtiges Signal: Bei einer bärischen Kerze mit langem oberen Schatten deutet das darauf hin, dass die Käufer den Kurs nach oben getrieben haben, es aber letztlich doch zu Verkäufen kam. Das kann auf eine mögliche Trendwende oder Fortsetzung hindeuten.

Von Minuten- bis Monatscharts: Die Bedeutung der Zeiteinstellung

Ein weiterer Vorteil von Kerzencharts ist die flexible Zeiteinstellung. Man kann z.B. 1-Minuten-, Tages- oder Monatscharts wählen, passend zum eigenen Handelsstil. Das macht sie für kurzfristige Trader ebenso nützlich wie für langfristige Investoren.

Unterstützungslinien und Widerstandslinien für den richtigen Einstieg

Jetzt kommen wir zu den wichtigsten Konzepten: Unterstützungslinien und Widerstandslinien. Sie sind die grundlegendsten und gleichzeitig praktischsten Werkzeuge der Chartanalyse.

Unterstützungslinien: Den Boden bei fallenden Kursen finden

Hast du schon einmal beobachtet, dass der Kurs bei bestimmten Preisniveaus immer wieder nach oben abprallt? Das ist die Unterstützungslinie. Einfach gesagt: „Der Kurs wird wahrscheinlich nicht unter dieses Niveau fallen.“ Visuell verbindet man die Tiefpunkte, bei denen der Kurs mehrfach nach oben gedreht hat.

Wenn der Kurs sich an der Unterstützungslinie wieder nach oben bewegt, interpretieren viele Trader das als gutes Einstiegssignal. Die Unterstützungslinie signalisiert also eine potenzielle Kaufgelegenheit.

Vorsicht ist geboten: Wenn der Kurs die Unterstützungslinie durchbricht und weiter fällt, kann das auf eine beschleunigte Abwärtsbewegung hindeuten. Dann ist Vorsicht geboten.

Widerstandslinien: Die Obergrenze eines Aufwärtstrends erkennen

Das Gegenstück ist die Widerstandslinie. Sie zeigt, bei welchem Kursniveau der Kurs wieder nach unten dreht. Man verbindet dazu die Hochpunkte, bei denen der Kurs nach oben gestiegen ist und dann wieder gefallen ist.

Wenn der Kurs an der Widerstandslinie abprallt, ist das meist ein Verkaufsignal, weil viele Trader Gewinne mitnehmen. Bricht der Kurs jedoch die Widerstandslinie nach oben, könnte das den Beginn eines neuen Aufwärtstrends bedeuten.

Rollenwechsel von Unterstützung und Widerstand

Ein wichtiger Punkt für Anfänger: Unterstützungslinien und Widerstandslinien sind keine festen Grenzen. Sie können sich je nach Zeiteinstellung verschieben. Besonders wenn eine Linie durchbrochen wird, ändert sie ihre Rolle: Ein durchbrochener Widerstand kann zur neuen Unterstützung werden, und umgekehrt.

Versteht man das, ist das ein Kernprinzip der technischen Analyse.

Gleitende Durchschnitte: Trends filtern und erkennen

Hast du schon vom Begriff „Gleitender Durchschnitt“ gehört? Das ist die Abkürzung für Moving Average (MA). Es ist eine Linie, die den Durchschnittskurs eines bestimmten Zeitraums zeigt und hilft, kurzfristige Schwankungen zu glätten, um den eigentlichen Trend zu erkennen.

Verschiedene Arten von gleitenden Durchschnitten

Gängige Perioden sind z.B. 5, 20, 60 Tage. Bei Börsengeschäften mit ca. 250 Handelstagen im Jahr entspricht das etwa 1 Woche, 1 Monat und 3 Monaten. Die MA-Linien filtern kurzfristige Schwankungen heraus und zeigen den langfristigen Trend.

Auf- und Abwärtsbewegungen: Trendrichtung erkennen

Wenn mehrere MA-Linien in einer bestimmten Reihenfolge angeordnet sind, spricht man von „Trendfolge“. Zum Beispiel: Wenn der 5-Tage-Durchschnitt über dem 20-Tage-Durchschnitt liegt, ist das ein bullisches Signal. Wird die Reihenfolge umgekehrt, spricht man von „Reverse- oder Gegenbewegung“.

Golden Cross und Death Cross: Signale für Trendwechsel

Das wichtigste Signal sind die Kreuzungen:

  • Golden Cross: Der kurzfristige MA (z.B. 50 Tage) kreuzt den langfristigen MA (z.B. 200 Tage) von unten nach oben. Das ist ein starkes Kaufsignal und zeigt einen möglichen Beginn eines Aufwärtstrends.

  • Death Cross: Der kurzfristige MA kreuzt den langfristigen von oben nach unten. Das deutet auf eine mögliche Trendwende nach unten hin.

OBV-Indikator: Verborgene Signale im Volumen entdecken

Zum Schluss schauen wir auf den OBV (On Balance Volume). Dieser Indikator basiert auf dem Volumen und zeigt, ob die Kauf- oder Verkaufsaktivität hinter den Kursbewegungen steckt.

Funktionsweise des OBV

Der OBV addiert das Volumen an Tagen, an denen der Kurs gestiegen ist, und subtrahiert es an Tagen, an denen der Kurs gefallen ist. So erhält man eine Linie, die die Stärke der Kauf- oder Verkaufswelle widerspiegelt.

Warum Volumen wichtig ist

Wenn der Kurs steigt, aber der OBV kaum steigt, deutet das auf schwachen Kaufdruck hin. Das kann eine Warnung sein, dass die Aufwärtsbewegung nicht nachhaltig ist. Umgekehrt zeigt ein steigender OBV bei Kursanstiegen, dass die Kaufkraft stark ist.

Mehrere Indikatoren zusammen nutzen: Der Schlüssel zum Erfolg

Alle Werkzeuge sind nur dann wirklich effektiv, wenn sie gemeinsam genutzt werden. Ein starker Kauf- oder Verkaufssignal entsteht, wenn mehrere Indikatoren übereinstimmen:

  • Kurs prallt an Unterstützung
  • Golden Cross tritt auf
  • OBV zeigt steigende Tendenz

Oder im umgekehrten Fall: Unterstützung wird durchbrochen, Death Cross erscheint, OBV sinkt – das ist ein starkes Verkaufsignal.

Die Kunst liegt darin, die verschiedenen Signale zu einem Gesamtbild zu verbinden.

Praktische Tipps für Anfänger: Unterstützung und Widerstand richtig zeichnen

Wenn du die Theorie kennst, geht es ans praktische Zeichnen:

Unterstützungslinien:

  1. Suche die Tiefpunkte, bei denen der Kurs mehrfach nach oben gedreht hat
  2. Verbinde mindestens drei dieser Tiefpunkte
  3. Je mehr Tiefpunkte, desto stärker ist die Linie

Widerstandslinien:

  1. Suche die Hochpunkte, bei denen der Kurs mehrfach nach unten gedreht hat
  2. Verbinde mindestens drei dieser Hochpunkte
  3. Längere Haltezeiten an einer Linie bedeuten stärkere Signale

Der erste Schritt zu smarter Investition

Wir haben die Kerzencharts, Unterstützung- und Widerstandslinien, gleitenden Durchschnitte und OBV betrachtet. Auch wenn es anfangs ungewohnt erscheint, verfolgen all diese Werkzeuge dasselbe Ziel: bessere, fundierte Handelsentscheidungen zu treffen.

Wenn du die Konzepte von Unterstützung und Widerstand richtig verstehst, wird die Chartanalyse erstaunlich einfach. Sie sind wie ein Kompass, der dir zeigt, wann du kaufen oder verkaufen solltest.

Investieren ist kein Glücksspiel. Mit den richtigen Analysewerkzeugen und einer ganzheitlichen Betrachtung kannst du bessere Entscheidungen treffen. Übe das Zeichnen und Interpretieren der Unterstützung- und Widerstandslinien, dann wirst du eines Tages die Charts lesen können, als würdest du ein Buch lesen. Und genau dann macht dein Trading einen großen Schritt nach vorne.

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