
Die israelischen Behörden haben am 20. März den Reservisten der israelischen Verteidigungskräfte, Raz Cohen, angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, im Austausch für etwa 1.000 US-Dollar in Kryptowährungen vertrauliche Informationen über das Raketenabwehrsystem „Eisenkuppel“ (Iron Dome) an iranische Geheimdienstkontakte weitergegeben zu haben. Dieser Fall wurde nach der Operation „Brüllender Löwe“ gemeinsam von der israelischen Sicherheitsbehörde Shin Bet und der Polizei Lahav 433 beim Bezirksgericht Jerusalem eingereicht.
Cohen ist 26 Jahre alt und diente von 2019 bis 2022 im Bereich der Steuerung und Kontrolle des „Eisenkuppel“-Systems, wo er Einblick in die tatsächliche Bedienung und die Standortinformationen der Basen hatte. Laut der israelischen Zeitung „The Times of Israel“ begann er im Dezember 2025, über Telegram Kontakt zu iranischen Kontakten aufzunehmen. Innerhalb eines Monats übermittelte er insgesamt 27 Fotos und Videos, die folgendes enthielten:
Cohen lieferte nicht nur technische Systeminformationen, sondern offenbarte auch aktiv seine militärische Identität gegenüber den Kontakten, was die Glaubwürdigkeit und den Schaden des Geheimnisverrats erheblich steigerte.
Der Fall zeigt die konkreten Vorgehensweisen feindlicher Geheimdienste im modernen digitalen Umfeld: Durch kleine Kryptowährungszahlungen als Anreiz werden militärische Fachkräfte über verschlüsselte Kommunikations-Apps wie Telegram kontaktiert. Obwohl 1.000 US-Dollar auf den ersten Blick gering erscheinen, besitzen sie für die Käufer strategischen Wert, da sie mit minimalen Kosten hochrangige Verteidigungsdetails und Standortkoordinaten erlangen können – eine asymmetrische Strategie.
Anonymität von Kryptowährungszahlungen: Kleine Zahlungen sind schwer durch traditionelle Finanzkontrollen nachzuverfolgen, was das Risiko der Geldspuren bei Geheimdienstoperationen reduziert.
Verschlüsselung bei Telegram: End-to-End-Verschlüsselung erschwert eine sofortige Erkennung der Rekrutierungsgespräche und bietet technischen Schutz für die Kontakte.
Risiko durch Sicherheitsfreigaben ehemaliger Soldaten: Cohen, obwohl er den Dienst beendet hat, besitzt weiterhin praktisches Wissen, das er während seiner Dienstzeit erworben hat, nicht durch absichtliches Stehlen.
Soziale Manipulation und menschliche Schwachstellen: Der Kontakt wurde später durch Drohungen mit Fotos von Cohens Schwester erpresst, was die psychologische Kontrolle in der Geheimdienstarbeit verdeutlicht.
Die israelischen Behörden berichten, dass in den letzten zwei Jahren Dutzende Israelis mit ähnlichen Vorwürfen im Zusammenhang mit Iran konfrontiert wurden. Seit Ausbruch des Iran-Kriegs hat die Rekrutierung über soziale Medien und verschlüsselte Kommunikations-Apps deutlich zugenommen, was den Schutz von aktiven und ehemaligen Sicherheitsfreigaben zu einer dringenden nationalen Sicherheitsaufgabe macht.
Cohen sperrte im Februar 2026 den Kontakt und löschte sein Telegram-Konto, doch es war zu spät – am 1. März, am zweiten Tag nach Ausbruch des Iran-Kriegs, wurde er verhaftet.
Warum sind israelische Soldaten nur für 1.000 US-Dollar bereit, geheime Informationen über die Eisenkuppel preiszugeben?
Es gibt keine öffentlich bekannte vollständige Motivationsdarstellung, doch die Details deuten darauf hin, dass Cohen während des Kontakts durch Drohungen mit Fotos seiner Familie erpresst wurde. Dies zeigt eine doppelte Manipulation durch finanzielle Verlockung und psychologischen Druck. Der niedrige Betrag spiegelt die Kosten-Nutzen-Logik der Geheimdienstoperationen wider – selbst bei minimalen Kosten kann die erlangte Information strategisch wertvoll sein.
Wie wird Kryptowährung zu einem Werkzeug für Geheimdienstoperationen?
Kryptowährungen bieten durch ihre Anonymität die Möglichkeit, Gelder an Zielpersonen zu transferieren, ohne dass traditionelle Bankspuren entstehen. In Kombination mit verschlüsselten Kommunikations-Apps wie Telegram entsteht so ein operatives Verfahren, das gegen herkömmliche Geheimdienstüberwachung resistent ist.
Welchen tatsächlichen Schaden hat dieser Fall für das israelische Raketenabwehrsystem „Eisenkuppel“?
Laut Anklageschrift wurden GPS-Koordinaten mehrerer „Eisenkuppel“-Batterien und die Standorte von sieben Luftwaffenbasen übermittelt. Diese Informationen könnten direkt für Angriffe genutzt werden. Zudem könnten die Systembetriebsprozeduren und Schussraten Daten liefern, die es Gegnern ermöglichen, die Effektivität des Systems zu bewerten und zu kontern. Der tatsächliche strategische Schaden ist schwer vollständig zu quantifizieren.